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Geistlicher Impuls November

Kirche zu Hause: Geistlicher Impuls für den Monat November

(Pfarrerin Elke Stein, „Gebete und Texte“, und Vikarin Milena Trommlitz, „Gedanken“)

 

Eröffnung

Im Namen Gottes: Quelle, die uns belebt. Im Namen Jesu Christi: Wahrheit, die uns befreit. Im Namen des Heligen Geistes: Kraft, die uns erneuert. Amen.

 

Psalmcollage zu Psalm 137 (Gebets-Collage aus den Worten der Bibel und einer Übertragung von Huub Osterhuis, niederländischer Theologe und Bibel-Dichter)

An den Flüssen Babylons saßen wir und weinten / wenn wir an Jerusalem dachten. / An die Äste der Weiden hängten wir unsere Harfen. / Denn die uns gefangen hielten, wollten, dass wir singen, / und die uns peinigten, wollten Freudenlieder hören: / »Singt doch eins der Lieder von Jerusalem!«

An den Strömen von Babel-Verwirrung / dort saßen wir. / Und als wir dann dachten an zu Haus, an unsere Sonnenlichtstadt, weinten wir. / Und an die Weiden, die da blühen, / hängten wir unsere Harfen. / Denn die uns deportierten, / baten uns zu singen, die Schinder, / das wollten sie gerne hören,/ schöne Liedchen / über unsere Sonnenlichtstadt Zion. / Doch das konnten wir nicht / Unter einem freien Himmel, / singen über „Ich-bin-da“.

An den Flüssen Babylons saßen wir und weinten / wenn wir an Jerusalem dachten. / An die Äste der Weiden hängten wir unsere Harfen. / Denn die uns gefangen hielten, wollten, dass wir singen, / und die uns peinigten, wollten Freudenlieder hören: / »Singt doch eins der Lieder von Jerusalem!«

 

Biblische Lesung Jeremia 29, 1.4-7.10-14a

1 Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte. 4 So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen:

5 Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; 6 nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. 7 Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl. 10 Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.

11 Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der GOTT: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. 12 Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erhören. 13 Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, 14 so will ich mich von euch finden lassen, spricht GOTT.

 

Gedanken (von Vikarin Milena Trommlitz)

„Suchet der Stadt Bestes“ – das tut meine Freundin Roselyn in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Ich kenne Roselyn seit 2011. Sie hat ein unglaublich großes Herz! Seit ich sie kenne nutzte sie ihr geringes Einkommen, um Familien und Kinder in den Slums von Nairobi zu unterstützen – mit Nahrung und Schulmaterialien. In den letzten Jahren baute Roselyn sich mit ihrer beeindruckenden Art und ihrem großen Bedürfnis zu helfen einen wachsenden Freundes- und Spenderkreis auf, sodass sie 2016 eine eigene Organisation gründen konnte, um Slumkinder durch Patenschaften und Sozialarbeit zu unterstützen. Seit gut 2 Jahren fördert ihre Organisation außerdem eine Schule in einem der Slums. Die Schule ermöglicht 200 Kindern Bildung und eine warme Mahlzeit am Tag. Manche Kinder nutzen die Schule sogar als Internat. Seit der Förderung durch Roselyns Organisation wurden Klassenräume ausgebaut, neue Betten für die Internatskinder gekauft und vor einigen Wochen wurde eine neue, große Küche fertiggestellt. „Suchet der Stadt Bestes“ – das tut meine Freundin Roselyn in Nairobi.

Vor einigen Tagen erreichte mich nun folgende erschütternde Email:

Der Staat Kenia hat einen großen Teil des Grundstücks, auf dem das Maendeleo Learning Center steht, übernommen, ohne dass unsere Organisation etwas davon wusste.
Roselyn berichtet: „Über Nacht kamen Bulldozer, mit denen die Schlafräume der Jungen und der Mädchen, die Bibliothek, das Lehrerzimmer und auch ein paar Klassenräume abgerissen wurden. Am nächsten Tag fuhr der Präsident Kenias in einem offenen Auto durch den Slum zum Gelände der Schule, um den überraschten Slumbewohnern kundzutun, dass hier jetzt ein Krankenhaus gebaut werden soll“.

Wut steigt in mir auf: DAS IST DOCH PURE WILLKÜR! Unverständnis: DAS IST DOCH UNGERECHT! Traurigkeit: Was wird aus den Kindern? Ratlosigkeit: Wie kann es nun weiter gehen? Ob und wie der Staat für den erneuten Bau der Schule an einem anderen Ort aufkommt, ist noch völlig unklar. Ich frage mich: was tun in solch einer Situation?

Ich denke an den Psalm, den wir vorhin gehört haben: „An den Flüssen Babylons saßen wir und weinten. An die Äste der Weiden hängten wir unsere Harfen“ – denn es gab keinen Anlass zur Freude mehr.

Auch durch den Slum in Nairobi fließt ein Fluss. In einem Video für Roselyns Organisation wird er sogar gezeigt. Er gehört zum Leben im Slum dazu, denn die Menschen nutzen ihn als Abwasserkanal. Kein idyllischer Anblick, aber dennoch kann ich mir bildlich vorstellen, wie Roselyn und ihre Mitstreiter an diesem Fluss sitzen. Und wütend sind. Oder vielleicht weinen.

In genau diese Situation des Leides und der Verzweiflung spricht der Prophet im Predigttext. Er übermittelt den Israeliten, die nach Babylon deportiert wurden, einen Brief von Gott. Gott fordert die Israeliten zu zwei Dingen auf: 1. Suchet der Stadt Bestes und betet für sie.

Ich kann mir vorstellen, dass das den Israeliten zu allererst unmöglich erschien. Vielleicht sogar zynisch.

Das wäre wie wenn man zu Roselyn sagen würde: Hilf dem Präsidenten das Krankenhaus aufzubauen. Nutze deine Zeit und deine Ressourcen – nicht, um die Schule wieder aufzubauen, sondern um das Krankenhaus zu unterstützen. Und nicht nur das: Betet für die Politiker, die willkürlich entschieden haben, Teile der Schule niederzureißen.

Aber genau das fordert Gott von den Israeliten in Babylon. Sie sollen sich für Babylon einsetzen, damit es den Babyloniern und dann auch ihnen gut geht. Das war bestimmt nicht einfach. Gott mutet den Israeliten viel zu. Und so mutet Gott auch uns manchmal viel zu.

So auch in der zweiten Aufforderung des Briefes: 2. Suchet mich, Gott.

Diese Aufforderung erschien den Israeliten erst einmal unmöglich! Für sie ist der Jerusalemer Tempel der Wohnort Gottes und somit ihr religiöses Zentrum, welches elementar für ihren Glauben ist. Nur dort glaubten sie beten zu können. Aber in Babylon – ist Gott auch dort?

Auch Roselyn fragt sich: Gott, was soll diese Ungerechtigkeit? Und vor allem: Wo warst du in der Nacht, in der die Bulldozer kamen? Immerhin: Gott sei Dank ist niemandem etwas passiert...

Gottes Aufforderungen bleiben jedoch nicht alleine stehen. Den Bitten folgt ein Versprechen. Gott verspricht: ich bin für euch da! Dies beschreibt er mit liebevollen, eifrigen Worten:

Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht Gott: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.

Gott möchte gesucht werden. Und er möchte gefunden werden. In Freud und Leid. In Verzweiflung und Ungerechtigkeit. Ganz ehrlich? Das ist alles andere als leicht. Aber diese Verse ermöglichen es mir, eine Hoffnung in mir zu tragen. Im Konfiunterricht beschäftigen wir uns diese und nächste Woche mit Jenseits-vorstellungen und Hoffnungsschimmern, die wir in der Bibel finden können. Der Text ermöglicht mir eine Vorstellung davon:

Eines Tages wird jede Stadt an jedem Ort den bestmöglichen Zustand erreichen – ihren persönlichen Frieden. Und so auch ihre Bewohner und Bewohnerinnen. Das biblische Wort für Frieden, Shalom, meint nämlich nicht nur Frieden, sondern auch Gerechtigkeit, Gesundheit, Seelenfrieden und Gottvertrauen. Ein persönlicher Friede, aber auch die Ausgeglichenheit aller Bedürfnisse. Das hoffe ich für Nairobi und für Roselyn.

Ich kann aktiv daran mitwirken, dass wir uns einem Zustand des Shalom nähern. Aber ich kann auch einfach nur leise hoffen, wenn ich keine Kraft dazu habe. Und wenn ich mich auf dem Pfad in Richtung Shalom doch einmal verirre, so spricht Gott zu mir: Immer wieder lasse ich mich von dir finden.

„Suchet der Stadt Bestes“ – eine Aufgabe, die oft unmöglich erscheint und zu Frust und Verzweiflung führen kann. Genau in diese Situation spricht der Text und strahlt einen hellen Hoffnungsschimmer aus: Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht Gott: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. Amen.

 

Lied „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, oh Gott, nach dir“ (EG+ 102)

Refrain:Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz –sei da, sei uns nahe, Gott.

2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht –sei da, sei uns nahe, Gott.

3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod –sei da, sei uns nahe, Gott.

4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich –sei da, sei uns nahe, Gott.

 

Gebet

Barmherziger Gott, du mutest uns manchmal viel zu. Wir leben in schwierigen Zeiten. Du hast Gedanken des Friedens für uns, verheißt uns Zukunft und Hoffnung. Daran halten wir uns fest.

Wir bringen vor dich unsere Trauer, unsere Sorge, unser Mitgefühl für die Opfer der islamistischen Terrorakte und ihre Angehörigen, für die bedrohten Synagogen und in Kirchen in Europa, für die an Covid19-Erkrankten und ihre Familien, für die, denen die Pandemie die Lebensgrundlage bedroht, für Roselyn und ihre Mitstreiter und die Kinder, die von ihnen betreut werden, für die Menschen in dem so gespaltenen Land der USA, für die, die Angst haben um die Demokratie in unserem Land.

Barmherziger Gott, du mutest uns manchmal viel zu. Wir leben in schwierigen Zeiten. Du hast Gedanken des Friedens für uns, verheißt uns Zukunft und Hoffnung.Daran halten wir uns fest.

Du rufst uns auf, deine Liebe mit anderen zu teilen, deinen Frieden weiterzugeben, an deiner Hoffnung Anteil zu geben. Deshalb bitten wir auch für uns selbst. Gib uns Kraft und Mut, Warmherzigkeit und Besonnenheit,Beherztheit und Humor – alles was wir brauchen, um Kinder deines Lichts und deines Friedens zu sein. Amen.

Wir beten das Vaterunser

Segen

GOTT segne dich und behüte dich; GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; GOTT erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.


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