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Geistlicher Impuls für den Monat September von Pfarrerin Elke Stein

 

Eröffnung:

Im Namen Gottes: Quelle, die uns belebt.

Im Namen Jesu Christi: Wahrheit, die uns befreit.

Im Namen des Heligen Geistes: Kraft, die uns erneuert. Amen.

 

Lied EG 369, 1-3 (Wer nun den lieben Gott lässt walten)

1. Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit,

den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.

Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

2. Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach?

Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach?

Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.

3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt,

wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt;

Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

 

Psalm 36 (EG 719)

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

 

Biblische Lesung 1. Mose 2,4-9.15 (Luther)

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 6 aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja.

 

Gedanken

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann, würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“ Diesen Song kennen eigentlich alle, Alte und Junge. 1974 von Reinhard Mey gedichtet und komponiert, 1980 so richtig berühmt geworden, gibt es einen Party-Remix von 2010. Dass der Song so erfolgreich ist, liegt sowohl an der Musik als auch am Text. Wer wäre nicht gern frei, fast schwerelos und leicht?

Der Song verbindet Generationen, wohl auch, weil Ängste und Sorgen zu jedem Lebensalter gehören, genauso wie die Sehnsucht frei davon zu sein. Auch wenn die Freiheit des Fliegens mittlerweile auch zum Fluch des Fluglärms und zur Mitverursacherin von Klimawandel geworden ist, es bleibt die Ahnung von Freiheit, die sich einstellt, wenn wir weit oben, ja über den Wolken, schweben, und alles, was da an die Erde bindet, beschwert ganz klitzeklein geworden ist.

„Sorget nicht“, so predigt Jesus auf dem Berg, festgehalten im Matthäus-Evangelium. „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.

Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“

Wem kommt das nicht weltfremd, naiv oder träumerisch vor? Wer hat so viel Vertrauen in Gott, dass er oder sie, loslassen kann von der Sorge, was morgen oder übermorgen sein wird? Gerade angesichts so vieler dramatischer Themen: Krankheiten, nicht nur, aber eben auch Corona; Waldbrände, Überschwemmungen,

Zerstörungen durch Tornados, Gletscherschmelze, der Klimawandel rückt uns zunehmend auf den Leib; und nicht wenige sorgen sich, ob der veränderten politischen Stimmungen und Kräfte, Nationalismen, Autoritäre Systeme, Machtdemonstrationen, die die Würde der Menschen missachten, mit Füßen treten, mit Waffengewalt verletzen. Ja, da wäre nicht nur ich manchmal gerne, einfach über den Wolken… weit weg, frei,

befreit von alle den Ängsten und Sorgen, im privaten wie im Großen und Ganzen.

Weit über den Wolken,

da fällt der Blick auf die Erde, und nicht wenige entdecken da in sich auch ein verschüttetes Staunen über die Schönheit der Erde. So ordne ich den Text der biblische Lesung aus dem 1. Buch Mose, in diesen Themen-zusammenhang ein: Da ist fruchtbare Erdboden und Feuchtigkeit, das sind Samen und Pflanzen, da sind Tiere, da ist der Mensch. Das alles ist ein wunderschöner, alle versorgender Garten. Gott schafft und Gott erschafft,

und am Ende ist da der Garten, das Paradies, wie dieser Garten später genannt wurde. Der Mensch darf diesen Garten bewohnen, wir Menschen sollen diesen Garten bebauen und bewahren.

Da bin ich schon schnell wieder bei einer meiner echten Sorgen, denn es gelingt uns Menschen seit Jahr-zehnten, eigentlich Jahrhunderten nicht, gut für diese Erde, diesen wunderbaren Garten zu sorgen. Das kann und soll auch mit Blick auf die biblischen Worte nicht weggeredet werden. Im Gegenteil, wir Menschen haben da eine Aufgabe.

Das Bild des Gartens hilft mir dennoch. Denn ein großer Garten, in dem es blüht und gedeiht, ist eine Labsal. Er bedeutet Vielfalt, auch Schönheit und Weisheit, denn dort steht der Baum der Erkenntnis. All das brauche ich für mein Leben, damit die Ängste und Sorgen mich nicht auffressen und lähmen. Es ist genug da, an Gütern, an Wissen, an Schönheit, an Liebe. Bis heute. Wir können das teilen, denen, die notwendig brauchen,

abgeben, und uns selbst freiwillig zurücknehmen. Das ist nicht zwangsläufig ein Verzicht, der die Lebensfreude nimmt. Im Gegenteil: ich bin mir sicher, am fairen Teilen wächst Freude und Zufriedenheit. Am Teilen wie am Anblick der Schönheit des Gartens lässt sich freuen. Und Freude vertreibt bekanntlich Ängste und Sorgen aus dem Herzen. Letztlich aber hilft wohl nur das, um zwischen lähmender Sorge und Sorglosigkeit einen guten Weg zu finden: den lieben Gott walten lassen und auf ihn hoffen, denn den, und auch die, wird er wunderbar erhalten. Der Choral (369) im Gesangbuch beschreibt das Gottvertrauen, dass das „Sorget nicht“ Jesu meint.

Wenn wir ausreichend Vertrauen hätten, könnten wir frohgemuter, und vor allem mutiger sein. Denn, wären wir in der Lage, fair zu teilen, füreinander zu sorgen, dann wären die Sorgen und Ängste an vielen Stellen

nicht über den Wolken, sondern unten auf der Erde viel kleiner. Und dafür müssen wir nicht ins Flugzeug steigen. Im Gebet kann ich meine Sorgen vor Gott bringen, „auf ihn werfen“, mich Gott überlassen, erfahren,dass „er für mich sorgt“.

Und vielleicht teilen Sie am Ende die Lebenserfahrung mit Mark Twain: „Ich hatte mein ganzes Leben lang viel Probleme und Sorgen. Die meisten von ihnen sind aber niemals eingetreten.“ Eine gute Portion Gottvertrauen hilft, dass Freude und Dankbarkeit auch angesichts von Sorgen und Ängsten nicht verloren gehen. Gott ist, in jedem Fall, und zu aller Zeit, uns zur Seite, hält uns in seiner Hand. Amen.

 

Gebet

Nehmen Sie sich eine Zeit der Stille, wenden Sie sich Gott zu und vertrauen ihm an, was Sie sorgt und ängstigt, und bitten Sie Gott, dies liebevoll in seinen Händen zu halten, Zuversicht und Hoffnung in Ihr Herz strömen zu lassen.

Zum Abschluss beten Sie das Vaterunser.

 

Segen
GOTT segne dich und behüte dich; GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; GOTT erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.

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